Internationaler Vergleich: Holzbau reagiert auf die Ziele des Klimaberichts

Internationaler Vergleich: Holzbau reagiert auf die Ziele des Klimaberichts

Der neueste UN-Klimabericht warnt vor tiefgreifenden und irreparablen Folgen, falls man die CO²-Emissionen nicht in den Griff bekommt. Da sich aktuell die Treibhausgasmenge in der Atmosphäre auf Rekordniveau befindet, sind für die Eindämmung der Emissionen schnelle und konkrete Entscheidungen nötig. Gemäß dem Bericht hat die Weltbevölkerung nur wenig Zeit, die Klimaerwärmung mit relativ geringen Kosten unter Kontrolle zu bringen. Ziel ist es, die Emissionen in den Jahren 2010 bis 2050 um 40–70 % zu senken und die Nutzung der fossilen Brennstoffe bis zum Jahr 2100 komplett auslaufen zu lassen.

Eine emissionsfreie, kohlenstoffarme Holzbauweise kann laut Matti Kuittinen, Forscher der Aalto-Universität, eine bedeutende Lösung in der bebauten Umgebung für die Umsetzung der Ziele des UN-Klimaberichts darstellen: „Damit diese Ziele erreicht werden können, müssen beim Wohnungsbau und beim Verkehr emissionsarme Bauweisen und Energieerzeugung angestrebt werden.“

Das Bauen und die Nutzung der Gebäude verursachen ca. 40 % der CO²-Emissionen. Laut internationalem Vergleich können die Emissionen des Bauens mit Hilfe von Holzbauweise sogar auf die Hälfte reduziert werden. In der EU ist man auf dem Weg zur Nullenergiebauweise, so dass das Augenmerk auf das Bauen und die Produktion der Bauprodukte gerichtet werden soll. 

„Die auf europäischen Normen basierende Umweltdeklaration für Bauprodukte sollte obligatorisch werden“, fordert Herr Kuittinen. Die Berechnung der Umweltauswirkungen eines Gebäudes könnte genauso wie die Berechnung der Energieeffizienz in die Baugenehmigungsverfahren miteinbezogen werden.

In Österreich beispielsweise ist die Finanzierung des öffentlichen Bauens an die Ökoeffizienz gebunden.  „Auch Finnland könnte ein Vorbild sein, wie emissionsarmes und energieeffizientes Bauen beim öffentlichen Bauen funktioniert. Finnland könnte nach dem österreichischen Modell handeln und die Finanzierung von ARA (finnisches Finanzierungs- und Entwicklungszentrum für das Wohnen) an die Ökoeffizienz binden und somit eine emissionsbedingte Besteuerung – wie bereits bei der Kfz-Steuer – einführen“, schlägt Forscher Kuittinen vor.

Der CO²-Fußabruck bei Holz beträgt die Hälfte im Vergleich zu anderen Materialien

Gemäß dem Vergleich von Umweltauswirkungen der Gebäude in verschiedenen Ländern beträgt der CO²-Fußabdruck eines Holzhauses nur ca. die Hälfte gegenüber dem eines Betonhauses. In der Studie wurden 19 Bauobjekte in Europa und in Nordamerika anhand der CO²-Fußabdrücke bei der Herstellung von Bauprodukten sowie des Energiebedarfs verglichen.

Die Studie wurde von Forscher Matti Kuittinen durchgeführt und der Vergleich hat gezeigt, dass die Umweltauswirkungen einer Holzkonstruktion geringer sind, unabhängig von der Berechnungsart.

„Das Ergebnis beweist, dass die europäischen Normen wohl gebraucht werden.  Obwohl der Vergleich wissenschaftlich qualifiziert durchgeführt wurde, ist der Vergleich und das Ins-Verhältnis-Setzen der Ergebnisse ohne gemeinsam vereinbarte Normen schwierig. Die Normen sollten schnellstens systematisch eingehalten und in der nationalen Bauordnung miteinbezogen werden.“

Laut der Studie war der Anteil am CO²-Fußabdruck der Gebäude mit Holzkonstruktion durchschnittlich 55 % im Vergleich zu anderen Konstruktionsmaterialien.    

„Die Vergleiche bei den Umweltauswirkungen der Bauweise sind an sich leicht durchzuführen, wenn man die richtigen Daten für Energie, Naturressourcen und CO²-Emissionen hat“, berichtet Herr Kuittinen. Die Berechnung und die Vergleiche sollten nicht zu kompliziert gestaltet werden.

Gemäß der neuen europäischen Norm (EN 16485) können Holzprodukte am Anfang ihres Lebenszyklus einen negativen CO²-Fußabdruck haben. Bei der Beurteilung der Umweltauswirkungen kann zusätzlich auch der Kohlenstoffspeicher der Holzprodukte genannt werden.

Artikkelipalvelu Markku Laukkanen
Mehr Informationen: Matti Kuittinen, Forscher und Architekt, Tel. +358 50 594 7990, matti.kuittinen@aalto.fi


Vergleich der Umweltauswirkungen von Gebäuden

Der Vergleich der Umweltauswirkungen von Gebäuden wurde in 19 verschiedenen Bauobjekten in Europa und in Nordamerika durchgeführt. In der Studie wurden die durch die Herstellung von Baumaterialien der Gebäudekonstruktion verursachten CO²-Fußabdrücke sowie der Energieverbrauch der Gebäude verglichen.

Bei dem im Zentrum von London im Jahr 2013 fertiggestellten Objekt Bridport House wurden die durch die Herstellung der Baumaterialien entstandenen CO²-Fußabdrücke zwischen CLT- und Betonkonstruktion verglichen. Durch die Nutzung der Holzkonstruktion betrugen die Emissionen ca. ein Fünftel von den Emissionen, die bei einem Gebäude mit Betonkonstruktion verursacht wurden. Die somit vermiedenen Emissionen entsprechen dem 12-jährigen Energieverbrauch des gesamten Gebäudes.

Bei dem in 2009 fertiggestellten Londoner Hochhaus Murray Grove wurden bei Holz- und Betonkonstruktionen der Kohlenstoffspeicher und der Fußabdruck verglichen. Eine Holzkonstruktion aus CLT speichert nahezu 200 Tonnen Kohle, die Herstellung einer entsprechend großen Betonkonstruktion dagegen würde fossile Emissionen in Höhe von 124 Tonnen verursachen.

 Bei dem finnischen Vergleichsobjekt in Vierumäki, dem in 2012 fertiggestellten mehrgeschossigen Passivenergie-Wohnhaus PuuEra, wurde der CO²-Fußabdruck des kompletten Gebäudelebenszyklus zwischen Holz- und Betonkonstruktion verglichen. Während des Lebenszyklus verursachte die Holzkonstruktion 6 % weniger Treibhausgase; bei der Berechnung wurde die Bedeutung der Holzkonstruktion als Kohlenstoffspeicher nicht mitberücksichtigt.

Bei einem mehrgeschossigen Holzhaus im schwedischen Växjö wurden die durch die Herstellung der Konstruktionen verursachten CO²-Fußabdrücke zwischen Holz- und Betonkonstruktionen verglichen. Eine Holzkonstruktion verursachte knapp 60 % der Treibhausgase im Vergleich zur Herstellung einer Betonkonstruktion.

Beim dem im Jahre 2005 fertiggestellten Forschungszentrum des finnischen Instituts für Waldforschung wurde der durch die Herstellung der Gebäudekonstruktion entstandene CO²-Fußabdruck und der Primärenergiebedarf verglichen. Das Gebäude mit einer Holzkonstruktion verursachte 40 % der Treibhausgase eines entsprechenden Gebäudes mit Betonkonstruktion und verbrauchte nur zwei Drittel der Energie eines Gebäudes mit Betonkonstruktion. Ein ähnliches Ergebnis wurde beim Vergleich des CO²-Fußabdruckes und des Energiebedarfs bei den Objekten Centro Sociale und Nidi Nel Verde in Italien erzielt. Auch in einem energieeffizienten Einfamilienhaus in Polen betrugen die Treibhausgase des Gebäudes mit Holzkonstruktion ca. 40 % im Vergleich zu einer gemauerten Konstruktion.

Im schwedischen Malmö wurden die Emissionen und der Energiebedarf eines mehrgeschossigen Holzhauses während der Herstellung der Konstruktion sowie während der Bauphase und der Abbauphase mit denen einer Betonkonstruktion verglichen. Eine patentierte Konstruktionslösung des mehrgeschossigen Holzhauses verursachte 10 % Treibhausgase gegenüber eines mehrgeschossigen Hauses mit Betonkonstruktion und verbrauchte ca. 40 % der Energie eines Betonhauses.

In Kanada wurde ein Modellhaus vom Athena-Institut sowohl aus Holz, Stahl und Beton gebaut. Das Ergebnis einer genauen Datenauswertung war, dass das gleiche Gebäude mit einer Holzkonstruktion zwei Drittel und ein Gebäude mit Stahlkonstruktion 80 % der Treibhausgasmenge gegenüber einem mit Betonkonstruktion verursachte. Der Energieverbrauch eines Gebäudes mit Holzkonstruktion betrug ca. 40 % und der eines Gebäudes mit Stahlkonstruktion 70 % des Energieverbrauches im Vergleich zu einem Gebäude mit Beton.

In den USA wurden bei einem Modellhaus Holz- und Stahlkonstruktionen verglichen. Der Anteil der Treibhausgase und des Energieverbrauchs in einem Haus mit Holzkonstruktion betrug ca. zwei Drittel gegenüber dem eines mit Stahlkonstruktion.

Das deutsche Vergleichsobjekt war eine aus Holz und Ziegel entworfene Konstruktion eines Ein- bzw. Zweifamilienhauses, wobei der CO²-Fußabdruck und der Primärbedarf der Materialien im gesamten Lebenszyklus verglichen wurden. Die Treibhausgase des Hauses mit Holzkonstruktion betrugen ca. 70 % von denen eines Ziegelhauses und der Energieverbrauch während des Lebenszyklus ca. 80 % von dem Verbrauch eines Ziegelhauses.

Quelle: A Comparison of the Climatic Effects of Buildings. A review of studies carried out in the 2000s. Matti Kuittinen 2014.

a_comparison_of_the_climatic_effects_of_buildings.pdf